Ironman 70.3 Luxembourg

    19. Juni 2018 // Düsseldorf

    OOOhhh man, ich bin noch immer ziemlich geflashed. Aber nach einer tollen Yogaklasse heute Morgen bei Marjorie und einer leckeren Suppe im „Böser Chinese“ zusammen mit einer guten Freundin, fühlt sich der Muskelkater nicht mehr so allumfassend an und so langsam nimmt das Erlebte seinen Platz im Herzen ein.

    Was ist passiert? Ich bin 1,9 km in der Mosel zwischen Deutschland und Luxemburg geschwommen, 90 km entlang von Weinbergen hoch und runter durch die Natur durch Luxemburg, Frankreich und Deutschland geradelt und anschließend 21,1 km durch Remich gelaufen. Das ganze lief unter dem Namen Ironman 70.3 Luxembourg und war die dritte Triathlon Mitteldistanz meines Lebens. Und definitiv ein Highlight meines Lebens.

    Dabei könnte ich es auch belassen, alles gesagt. Nein, ganz sicher nicht, wenn der Weg das Ziel ist. Die Entscheidung, mich zu diesem Event anzumelden, das Training zur Vorbereitung dieses Tages, der Support während dieser Zeit und vor Ort, meine Gefühlswelt und und und und… da steckt so viel mehr dahinter. Wenn du dich dafür interessierst, lies einfach weiter.

    Die Entscheidung

    Es ist nicht mein erster Triathlon: seit 2011 bin ich immer wieder mal mehr, mal weniger intensiv im Triathlonsport aktiv. 2012 war mein bisher tollstes Triathlonjahr überhaupt: zwei Mitteldistanzen und so viel Spaß mit der Hardtseemafia Triathlon, so viel unterwegs gewesen und erlebt. Aber dann hatte ich die Prioritäten immer wieder anders gesetzt und kam nur ab und an über die olympische Distanz zu diesem vielseitigen Sport zurück. Aber immer mit wahnsinnig viel Spaß daran.

    2017 stand sportlich ganz im Zeichen meiner Ausbildung zur Yogalehrerin. Ich liebe Yoga und es war genau mein Ding zu dieser Zeit mich darauf zu fokussieren. Allerdings litt meine Kondition enorm. Während der Asienreise im Juni fühlte sich mein Körper gar nicht gut an: schwerfällig, teils tat mir mein Körper auch einfach nur weh und ich war konditionsmäßig echt kurzatmig. Wahrscheinlich tat die Hitze ihr übriges, aber ich fühlte mich einfach nicht mehr wohl. Das war nicht ich und so durfte es nicht bleiben. Akuter Notfallplan: Anmeldung zum Trail Römische Weinstrasse im August 2017 über die 15,5 km und sofortiger Trainingsbeginn mit Hiken und Laufen, auch wenn letzteres keine 5 km am Stück mehr ging (cooler Lauf mit verschiedenen Distanzen, da bin ich dieses Jahr auch wieder am Start).

    Schon da entstand der Wunsch wieder Triathlon zu machen. Am liebsten über die Mitteldistanz und dann gerne auch in Luxemburg. Aber ich wusste auch, dass ich dann Prioritäten setzen muss: für das Training. Zeit, die dann weder mir und meinem Freund zusammen zur Verfügung stand noch meinem Wunsch, regelmäßig Yoga zu unterrichten. Also ließ ich erst einmal die Finger davon.

    Bis zum 22. September 2017 auf der Marathonmesse in Berlin auf einem Sitzsack. Der Gedanke beim Ironman 70.3. Luxembourg zu starten, wollte einfach nicht aus meinem Kopf. Und auf dem Flug nach Berlin hatte ich eindeutig zu viele Sportlerfreunde um mich herum. Während alle um mich herum im Marathonfieber waren, zückte ich mein Handy und meldete mich zu meinem Traumevent an. BÄHMMM, Entscheidung getroffen, angemeldet, bezahlt und Bestätigung erhalten… Yvi goes back to Triathlon.

    Das Training

    Um das Training so effizient wie möglich zu gestalten, entschied ich mich, mir einen Coach zu suchen. Zeit für Party würde eh nicht mehr bleiben, kann ich das Geld auch in ein vernünftiges Training investieren. Ich traute mir einfach nicht zu, mich in das Thema so souverän einzuarbeiten ohne ständig ein schlechtes Gewissen zu haben, dass ich vielleicht zu wenig tue. Triathlon besteht aus mindestens Schwimmen, Radfahren, Laufen und Regeneration. Optimaler Weise noch Stabilitätstraining, Stretching, guter Ernährung, Mentaltraining, … mehr geht immer, aber was ist wirklich sinnvoll im Rahmen der begrenzten Zeit?

    Durch die Empfehlung von meiner Freundin Jasmin, kam ich zu meinem Coach Carson Christen. Er hatte Jasmin für den Ironman Arizona fit gemacht und was sie über die Zusammenarbeit berichtete, passte für mich. Via App und WhatsApp stimmten wir das Training monatlich im Voraus ab und justierten, wo erforderlich, auch mal spontan.

    Zu dieser Erfahrung schreibe ich vielleicht noch einen separaten Blog-Beitrag. Klar ist aber inzwischen, dass ich diese Erfahrung nicht missen möchte. Es hat mir eine Menge Druck genommen, indem ich Carson vertraut habe. Ich habe so viel über meinen Körper gelernt, da ich auch mal Einheiten gemacht habe, die ich so niemals gemacht hätte: egal, ob ich sie zu zuvor als zu sanft oder zu hart in Frage gestellt habe. Oder einfach nicht auf Idee gekommen wäre. Es war ein Erlebnis, meinen Körper zwischendurch so müde zu erleben, aber in den entscheidenden Momenten auch als so enorm leistungsfähig. Bedingt durch private Umstände, war es manchmal für beide Seiten nicht einfach, aber ich würde sofort wieder mit Carson zusammenarbeiten. Und ihn und Trisutto auch weiterempfehlen.

    Kurz noch ein paar oberflächliche Zahlen, denn die Qualität zählt, nicht die Quantität – aus diesen Zahlen lässt sich eigentlich nur ableiten, dass ein gewisses Commitment, eine Entscheidung für diesen Sport, da sein muss, um eine solche Distanz gesund und mit Spaß zu rocken. Das gemeinsame Training startete am 8. Dezember 2017 und war auf den Ironman 70.3 Luxembourg am 17. Juni 2018 ausgerichtet.

    Schwimmeinheiten: 60

    Radeinheiten: 59

    Laufeinheiten: 76

    Dazu nahezu täglich Yoga für mich und regelmäßig etwa eine Session / Woche im Rahmen von Unterricht. Es gab zudem mehr als eine Phase, während der ich mehrere Tage am Stück mit dem Training ausgesetzt habe. Ich sag ja, ich hab viel über mich gelernt und musste auch Grenzen anerkennen.

    Die Ruhe vor dem Sturm

    So ein Triathlon endet ja gerne mal als Triathlonwochenende, vor allem wenn er mit einem Bike Check-in am Vortag verbunden ist und man über Ländergrenzen hinweg reist. Norman und ich reisten bereits am Freitag in Nennig, 1 km vom Schwimmstart in Remich, an. Jasmin und Andreas waren beide auch angemeldet für den Wettkampf. Leider hatte Jasmin wenige Tage zuvor einen Radunfall und musste den Start canceln.

    Letztlich verbrachten wir fast das ganze Wochenende zusammen mit den beiden, sowie Vera und Karsten – auch beides Starter auf der vollen Distanz (es gab auch Staffeln). Und das ist es eben auch was es ausmacht: das Erleben teilen: die Registrierung, bummeln im Triathlon Village, zusammen Essengehen und sich austauschen, die allerletzten kleinen Trainingseinheiten, die großen und kleinen aufgeregten Momente, weil es jetzt drohte wirklich ernst zu werden; die Teilnahme bei der Wettkampfbesprechung, der Bike Check-in einschließlich Herzklopfen wegen des Reifendrucks und der Organisation der geeigneten Luftpumpe am nächsten Morgen … zusammen ist das alles so viel intensiver und schöner, meiner Meinung nach. Und wir hatten so Glück mit dem Wetter, konnten an der Mosel entlangschlendern, draussen sitzen und alles sehr entspannt angehen lassen.

    Mein Ironman 70.3 Luxembourg

    Okay, jetzt kommt der eigentliche Rennbericht. Aber es ist wie es ist: ohne den Weg dorthin, wäre es nicht das was es war. Deswegen ist es mir wichtig zu betonen, dass mein Ironman 70.3. Luxembourg eben auch schon viel früher begonnen hat und mit jedem Training, oder eben Nicht-Training, ein Puzzleteil hinzugefügt worden ist.

    Raceday

    Mir ging es gut, bis auf leichte Halsschmerzen. Die hatte ich schon am Vortag, aber sie waren nicht schlimm. Psychologisch nervig, aber körperlich war ich okay. Das Frückstück im Hotel war für mich eher ruhig, ich versuchte mich auf mich zu konzentrieren und nicht so sehr an den Gesprächen um mich herum teilzunehmen. Leider hatte ich weder Yoga noch Meditation in den Morgen einbauen können – aber auch da zahlt sich Regelmäßigkeit auch an Tagen des Nichtstun aus. Ich war okay, gut drauf und es lief nichts schief. Und es war sonnig.

    In der Wechselzone bereitete ich alles auf einen reibungslosen Ablauf vor und verbrachte dann noch Zeit mit Norman und unseren Freunden. Ich genoss die allgemein angespannte, aber irgendwie auch gute Stimmung um uns herum. Irgendwann war es Zeit zum Schwimmstart zu gehen und sich einzureihen… Herzklopfen hoch drei.

    Schwimmen

    Ich habe noch NIE einen so entspannten Wettkampfstart erlebt. Rolling Starts sind bei Ironman Veranstaltungen inzwischen normal. Man nehme seine 100m Trainingszeit im Schwimmen mal 19 und schwupps, weiß man, in welcher Zone man sich einzuordnen hat. In meinem Fall war das Ziel 2 min/ 100m zu schwimmen, also war der Bereich 35 – 38 Minuten mein Bereich.

    Nachdem die Profis 9 Uhr gestartet sind, schob sich die Warteschlange entspannt Richtung Schwimmstart. Ich hatte Vivien bei mir, eine Freundin, mit der ich vor allem 2011 und 2012 viel Triathlonerlebnis geteilt habe. Und wir quatschten tatsächlich mehr oder weniger vom Leben während es langsam Richtung Schwimmstart ging. Wir hatten uns ewig nicht gesehen und es war schön, alte Zeiten auszukramen und sich gegenseitig ein wenig abzulenken.

    9.33 Uhr fiel unser persönlicher Start-Trillerpfeiffen-Schuss: kleiner Sprint runter zur Mosel, rein ins Wasser über die recht steile Rampe und dann nach rechts, stromaufwärts Richtung erste große IM Boye. Die war noch lange nicht zu sehen, aber dafür Platz zum Schwimmen. Ich hatte es tatsächlich richtig gut erwischt und es gab kein Hauen, Schlagen, Überschwimmen oder Aufschwimmen beim Start. Klar, man muss sein Tempo finden, seinen Rhythmus, seine Linie … aber das war hier ein leichtes. Und es fühlte sich von Anfang an gut an.

    Während der 1,9 km hatte ich drei, viermal ein Zusammentreffen mit anderen Schwimmern … keine Rede wert im Vergleich meiner bisherigen Erfahrungen. Es lief. Viel mehr kann ich gar nicht schreiben. Es gab kein Neoprenverbot, daher hatte ich meinen auch an (mich proaktiv gegen den Neoprenanzug zu entscheiden, brachte ich nicht über das Herz, zumal ich nur erahnen konnte wie warm/ kalt das Wasser tatsächlich war, da ein Einschwimmen in der Mosel nicht erlaubt war – aber ich hab nie was gegen Neoprenverbot, ich schwimme gefühlsmäßig lieber ohne). Dadurch kam dieses krasse Swimhigh für mich dieses mal nicht auf (das kommt bei mir oft, wenn ich länger schwimme – aber nur wenn die Arme frei sind), aber ich fühlte mich gut, meine Schultern waren schmerzfrei und meine Gedanken fokussiert.

    Die Wendepunktstrecke ging entlang der Mosel stromaufwärts, dann stromabwärts am Start/ Ziel vorbei, dann wieder links an der Boye vorbei direkt zum Schwimmausstieg. Selbst an den Boyen schwamm ich günstig nah, aber kam nie in einen Stau oder ein Gerangel. Nur beim Ausstieg auf der steilen Rampe hatte ich ein wenig zu kämpfen um nich wieder in die Senkrechte aufzurichten. Den Schwimmausstieg bzw. die Zeitmatte des Schwimmausstieges erreichte ich nach offiziellen 00:38:25.

    Wechselzone Schwimmen auf Radfahren

    Die Rampe hoch, kurz das Rufen von rechts hinten von meinem Freund Norman wahrnehmen und mich freuen und Fokus auf die Wechselzone. Ich lief auf dem Teppich ganz nach hinten durch, ergriff meinen Beutel mit der Startnummer 552 vom Ständer und setzte mich auf einen freien Platz im Wechselzelt. Anders als bei meinen bisherigen Triathlonrennen, fand der Wechsel nicht direkt am Rad statt, sondern eben nur im Zelt. Also raus aus dem Neoprenanzug und alles wechseln was man nicht mehr brauchte gegen was man eben brauchte. Im Fall des IM 70.3 Luxembourg musste ich mich vorher entschieden haben, ob ich Helm und Schuhe komplett im Wechselzelt oder am Rad an- bzw. aufziehe. Letzteres ist keine Option, da ich nicht mit am Rad eingeklickten Schuhen diese während der Fahrt anziehen kann. Also rannte ich in voller Montur zum Rad, steckte meinen Radcomputer auf und schob das Rad raus aus der Wechselzone bis zur Aufstiegslinie. Das wirkte für Außenstehende etwas gemütlich: in der Wechselzone bin ich immer ein wenig gefasster, weil ich sonst alles vermassele, und dann war es auch einfach voll als es auf die Strecke ging: Rücksicht ist noch immer eine Tugend und dann reiht man sich eben ein. Zumindest für mich geht es um einen tollen Tag, ein krasses Erlebnis, aber nicht um Sekunden…

    Und während ich so Richtung Aufstiegsline laufe stelle ich fest: mir geht es echt gut. Und kurz vor dem Radaufstieg standen auch Norman und Jasmin um mich anzufeuern. YEAH! Supporter sind so toll bei einem Rennen, das pusht richtig und lässt mein Herz nochmal einen Tacken schneller schlagen.

    Radfahren

    Ab den Aufstieg auf das Rad geht es erst einmal flach entlang der Mosel nach Grevenmacher. Das ist bei Kilometer 20 und der Wendepunkt zurück Richtung Remich, wo es aber nach 15 Kilometer in einer Rechtskurve „die Rampe“ hoch Richtung Canach geht. Also mal eben gute 35 Kilometer flach „geschenkt“ bevor es hoch und runter und kurvig durch Weinanbaugebiete, Ortschaften, Felder und Wiesen geht. Ab Kilometer 76 geht es dann flach zurück nach Remich. 90 Kilometer mit 580 Höhenmeter machen die Radstrecke aus. Für mich war diese nicht ganz ohne, aber gut machbar. Das Training reichte aus, niemals in ein Motivationsloch zu kommen oder Überforderung zu spüren. Mein Ziel war ein 26er Schnitt, am Ende waren es offizielle 25.99 km / Stunde und eine Radzeit von 3:27:47.

    Was soll ich sagen: es waren etwa 21 Grad, es war windig und bewölkt. Ich werde einen Teufel tun, mich zu beschweren. Die Strecke bei 30 Grad und Sonne … niemals in diesem Schnitt, selbst ohne Wind. Der machte mir zwar mental zu schaffen, weil er teils unangenehm in den Ohren lag und gerade gerne bei den Abfahrten Präsenz zeigte, aber nein… es war gut so, genauso wie es war. Und es ist auch letztlich immer noch ein Wettkampf, eine körperliche Ausnahmesituation. Dafür ging es mir verdammt gut.

    Mein Magen machte, ehrlicherweise, etwas Ärger: meine Cola Energy Balls mochte er heute gar nicht. Im Training hatten sie funktioniert, aber hier musste ich passen. Meine Riegelverpflegung funktionierte aber super und mit einer Portion Wasser und einer halben Banane von der nächsten Verpflegungsstation konnte ich meinen Magen auch wieder beruhigen. Halb so wild, alles im grünen Bereich für einen solchen Tag.

    Verpflegungsstationen gab es insgesamt vier Stück: zwei mit Wasser und Iso, zwei mit voller Verpflegung einschließlich Energieriegel, Bananen und Co. Dort herrschte auch immer tolle Stimmung, genauso wie am Ende von längeren Anstiegen und in manchen Ortschaften. Insgesamt war es aber eher ruhig auf der Radstrecke: bis auf den Wind in den Ohren. Ich war mit mir und dem Rennen beschäftigt, der Moment pushte mich schon sehr – auch der Blick auf meinen Radcomputer und die ständige Abwägung, wieviel mehr ich geben will, angesichts des noch anstehenden Halbmarathons (ich war im Training nie einen gelaufen, ich hatte nur das Vertrauen, dass es funktionieren wird).

    Nachdem die letzte Abfahrt genommen war und es nur noch Richtung Wechselzone ging, versuchte ich nochmals Tempo aufzubauen. Nur noch wenige Radfahrer überholten mich – das waren dann aber auch genau die, die ich noch vor mir sehen konnte. Draften (regelwidrig im Windschatten des anderen fahren) war hier gar kein Thema mehr. Zu Beginn der Radstrecke musste man schon aufpassen: und die Wettkampfrichter waren präsent (was ich gut fand, aber auch immer etwas Unsicherheit bei mir auslöst).

    Nur noch wenige Kilometer bis zur Wechselzone und ich stellte fest: ich bin okay, mir geht es gut, es zwickt tatsächlich nichts und ich fühlte mich bereit für das Laufen. Was für ein Gefühl. Das trug auch dazu bei, dass ich den Radfahrschnitt auf den letzten Kilometern doch noch von 25,5 auf 25,9 km/ Stunde anheben konnte. Die fehlenden 0,1 sind nicht relevant für mich. Mit mehr Rennerfahrung und Training ist da noch mehr drin: für heute war das absolut prima.

    Als ich zum Radabstieg ankam, vermisste ich meinen Freund Norman. Ich bin nicht sicher, ob keine Stimmung war oder ich sie nur nicht wahrnahm. Wahrscheinlich warteten die Menschen dort nur noch auf ihre Leute, alle anderen waren schon an der Rennstrecke. Aber egal, runter vom Rad und ab zum Wechsel auf das Laufen.

    Wechselzone Radfahren auf Laufen

    Der Wechsel dauerte auch wieder etwas länger, weil hier das stille Örtchen frei war und ich einfach auf Nummer sicher gehen wollte. Meine Beine fühlten sich schon beim Lauf mit dem Rad zum Radständer und zum Wechselzelt gut an: wenn Toilettenpause, dann jetzt hier – und auf der Strecke alles geben.

    Laufen

    Und dann ging es eine halbe Runde innerhalb der Wechselzone Richtung Stimmung. Ja, hier waren sie alle: zumindest auf einer Hälfte der Laufstrecke. Es waren 4 Runden zu Laufen, dreimal am Ziel vorbei. Aber diese Strecke ist verrückt: gefühlt geht es nur runter oder gerade, nie hoch… fragt mich nicht, ist so. Hab ich vorher gehört und vergessen und dann selbst festgestellt.

    Mein Coach hatte mir gesagt, dass ich es langsam angehen soll: erst einmal ins Laufen finden, gerne auch mit 6.00 – 6.15 Min / km. Was für ein angenehmes Renntempo, dachte ich noch vor dem Rennen. Erst nach Kilometer 10 sollte ich schauen, was meine Beine hergeben und vielleicht noch was drauflegen.

    Und im Rennen: Nee, das war mir zu langsam. 5.40 Min / km zeigte meine Uhr an und das fühlte sich verdammt gut an. Das war noch mehr drin, aber 21,1 km sind auch nicht mal eben gelaufen, also nicht übertreiben. Ich spielte etwas mit der Pace, da ich pro Runde mindestens eine der beiden Verpflegungsstationen mitnahm. Ich fühlte mich gut, aber auch aufgeheizt. Bei jeder Gelegenheit schüttete ich Wasser über meine Schultern und teilweise auch über den Kopf. Cola und RedBull nahm ich genauso wie Iso dankend an, zweimal auch Salzkräcker.

    Es lief. Es war die ersten drei Runden ein sensationelles Gefühl: nicht einfach, aber eben auch nicht schwer und schon gar nicht schmerzhaft. Mein Ziel war es, meinen Körper dynamisch zu halten, die Schritte entspannt und weit zu machen, die Arme mitzunehmen und weitestgehend Spaß zu haben. Ich sah viele Läufer (und wenige Läuferinnen), die bereits Tempo rausgenommen hatten und nicht mehr liefen. Ich bilde mir kein Urteil, deren Gründe kenne ich nicht: aber das war für mich ganz persönlich immer wieder die Bestätigung, dass ich mich richtig eingeschätzt und gefordert und an entscheidenden Punkten eben auch nicht überfordert hatte. Das Training, wie Carson es aufbereitet hatte, zahlte sich aus, es war mein Moment und mit riesen Freude klatschte ich die Kinder entlang der Strecke und meinem Freund ab.

    Wunschziel wäre gewesen, den Halbmarathin unter 2 Stunden ins Ziel zu bringen. Das verfehlte ich sagbar knapp mit 2:00:05. Ich weiß einige Situationen, in welchen ich diese sechs Sekunden hätte einsparen können. Aber an dieser Stelle ist jeder negative Gedanke völlig unnötig. Mit nur einem Probe-Triathlon bin ich hier gestartet, es gibt zig Dinge, die optimierbar sind. Aber dieses Erlebnis, diese Freunde während des Rennens, diese Emotionen beim Zieleinlauf und das überwältigende Gefühl danach… who gives a F*** about Seconds… ich nicht.

    Ich bin einfach nur stolz, stolzer und am glücklichsten. Und dankbar, dass ich das erleben darf.

    Emotionen

    Sechs Monate gezieltes Training enden in 6:17:32 IM 70.3 Luxembourg. Im Ziel hätte ich mal eben losheulen können, weil ich so überladen war von Glücksgefühl. Und auch danach, bin ich mega stolz auf mich, glücklich und auch dankbar, dass ich sowas erleben kann. Vielleicht ist es durch meine Yoga- und Meditationspraxis, vielleicht auch ein Stück weit durch die privaten Ereignisse während des Trainingszeitraumes… das ist in meinen Augen alles nicht selbstverständlich. Weder, dass ich Triathlon machen kann, ich gesund gefinished habe, mein Freund mich so unterstützt wie er es getan hat, noch, dass man so viel positive Emotion empfinden kann.

    Triathlon macht mich glücklich. Das Training war manchmal mürbe, weil ich oft alleine trainiert habe und auch wenig Highlights wie Rennen oder gar ein Trainingslager involviert hatte. Aber das Ziel war, wieder fit zu werden, mich gut in meinem Körper zu fühlen und das habe ich erreicht. Mit einem überschwänglichen Jubel auf der Zielgeraden. Und dafür danke ich meinen Freunden, die teils auch wenig von mir hatten, meinem Freund Norman, der das Vorhaben immer aktiv unterstützt hat, mir den Rücken freigehalten hat und mich mit so tollen Fotos versorgt (die nicht so schönen sind von meinem Handy), meinem Coach Carson für die Anleitung und Inspiration und mir selbst, dass ich es durchgezogen habe und den Weg von der Entscheidung zur Anmeldung bis ins Ziel in Remich als Ziel erkannt habe. Und Ironman, für diese tolle Veranstaltung mit der super Orga und den vielen Helfern.

    Triathlon ist ein krasser Sport: körperlich und emotional. Und es lohnt sich so sehr, diesen Weg zu gehen. Und es muss nicht gleich eine Halbdistanz sein. Es gibt viele Volksdistanzen, durch die man einfach mal reinschnuppern kann. Oder suche dir eine Disziplin aus und starte als Staffel… so bin auch ich zum Triathlon gekommen. Es ist ein wahnsinnig tolles Erlebnis. Und es weckt so viel mehr in dir, das kann ich dir versprechen.

    „Wir tun es, weil wir es lieben.“

    P.S. Nach dem Tritahlon ist vor dem Triathlon. Ich hätte sogar die Chance gehabt über den Altersklassen-Slot nach Südafrika zu fliegen zur IM 70.3 Weltmeisterschaft zum Nelson Mandela Bay. Aber das werde ich nicht tun und es ist auch kein weiterer Triathlon angemeldet. Es reizt mich natürlich sehr, aber „Back to the roots“: Das Ziel war es, in Luxemburg gesund und fit zu finishen. Rückwirkend betrachtet, war es das Beste, was ich für mich entscheiden konnte. Der Sport hat mir in den letzten Monaten so viel gegeben, das war wichtig. Jetzt heisst es, die Form halbwegs zu halten – denn jetzt fühle ich mich wieder wohl in meinem Körper. Aber die Lorbeeren gehen ganz sicher auch zu einem nicht unwesentlich Teil an meine Yoga- und Meditationspaxis und an den MBSR-Kurs den ich während der letzten Monate wahrgenommen habe.

    Ab November werde ich einige Monate nach Südostasien reisen: daher habe ich im Vorfeld keinen weiteren Triathlon geplant. Ich halte mir spontane Aktionen offen, aber tendenziell wird jetzt die Organisation meiner Reise und Trailrunning in den Mittelpunkt rücken. Ich brauche diese Abwechslung: das bin ich und das lebe ich auch aus. Alles andere tut mir nicht gut.

    …. DANKE , dass du bis zu diesem Punkt meinen Bericht gelesen hast. Wenn du Fragen oder Feedback hast, melde dich gerne via E-Mail oder meine Social Media Kanäle bei mir. Ich freue mich über jede Rückmeldung von dir oder Hilfestellung, die ich dir geben kann.

    Hinweis: Sämtliche Verlinken entstanden aus freier Entscheidung, da sie Teil meines geschilderten Erlebnisses waren. Ich habe dafür keine Vergünstigung erhalten, noch andere finanzielle Vorteile daraus gezogen. Es handelt sich um Werbung, weil genannt und verlinkt.

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