Yoga Teacher Training // Session 1

Das erste Trainingswochenende vom 24. Februar 2017 bis 27. Februar 2017 war ein sehr intensives Wochenende. Vier ganze Tage trafen wir uns im Shivasloft in Düsseldorf, jeweils von morgens bis abends. Nach Hause gingen wir dann auch immer mit Hausaufgaben für den nächsten Tag im Gepäck.

Wir starteten mit einem Intro durch Kevin & Verena zum Ablauf der Ausbildung und den Inhalten des bevorstehenden Wochenendes in die erste Session. Natürlich nicht ohne herzliche Willkommensworte von Kevin. Wer Kevin kennt, wird sehr wahrscheinlich seine ansteckende Begeisterung für Yoga direkt wieder vor Augen haben. Ich mag ihn sehr, da er eine spielerische, aber intensive Yogapraxis vermittelt. Wie ich zu Kevin und die Ausbildung in der Shivas Loft gekommen bin, könnte ihr hier lesen.

Nur wenige der 16 wissbegierigen Yogis kannten sich bereits. Unsere erste Aufgabe war es, einen „friend“ zu finden, den man den anderen wenig später mit eigenen Worten vorstellen durfte. Schon hier bemerkte ich diese Dynamik, die ich besonders an unsere Gruppe mag. Wir sind 16 unterschiedliche Menschen, jeder hat seine ganz persönlichen Motive an dieser Ausbildung teilzunehmen. Meine Wahrnehmung: jeder brachte sich mit einer unheimlich positiven Einstellung ein und erzählte eine kleine Geschichte über den persönlichen „friend“. Und alle taten dies in englischer Sprache, was wiederum Kevin, der seine Wurzeln in den USA hat, ein breites Grinsen ins Gesicht zauberte.

Unser Unterricht findet hauptsächlich in englischer Sprache statt. Es ist Kevins Muttersprache und ein Stück weit trägt es für mich auch dazu bei, die Wochenenden losgelöst vom Alltag wahrzunehmen.

Die Ausbildungswochenenden bestehen alle aus vielen einzelnen Themenblöcken. So waren an diesem ersten Wochenende bereits viele der Haupthemen Inhalt unserer Ausbildung: Anatomie, die Geschichte des Yogas, wir haben einzelne Asana besonders intensiv besprochen und geübt und als Beispiel die Asana des „herabschauenden Hundes“ ausführlich als Worksheet bzw. Posesheet durchgearbeitet. Es ging an diesem Wochenende auch bereits um unsere Rolle als Yogalehrer und die verschiedenen Möglichkeiten eine Stunde zu unterrichten, um persönliche körperliche Einschränkungen und entsprechende alternative Bewegungsabläufe, die wir zusammen ausgearbeitet haben. Wir hatten viele Fragen, auf die Kevin immer eingegangen ist und wir haben damit seinen Plan bestimmt auch wenig durcheinander gebracht.

Es war toll, dynamisch und die Zeit verging so schnell. Natürlich haben wir auch selbst Yoga praktiziert. Und ich bin ehrlich: es ist anstrengend und komplex, man hört, sieht und erlebt viel und will alles behalten und sich merken: es bringt den Kopf zum Qualmen. Als ich am Samstagabend nach Hause gelaufen bin, war der Wind um meine Ohren das Beste was mir passieren konnte um wieder runterzukommen und meinen dröhnenden Schädel wieder in einen grünen Bereich zu bringen. Dann war auch wieder ein wenig Kapazität da für die Hausaufgaben.

Diese Ausbildung kann man nicht im Ganzen in einem Blog wiedergeben. Deswegen habe ich für mich entschieden, für mich besonders bedeutungsvolle Inhalte für euch mit eigenen Worten zusammen zu fassen und einen tieferen Eindruck von der Ausbildung geben.

Defintion des Yoga

Wir haben im Unterricht verschiedene Definitionen des Yoga besprochen. Kevin hat mit uns diverse Definitionen diskutiert und unsere Hausaufgabe war es, herauszuarbeiten mit welcher dieser wir uns am meisten identifizieren können; welche „unsere“ Definition ist.

Ich liebe Yoga der Praxis auf der Matte wegen und dass ich dabei meinen Kopf komplett abschalten kann. Ich mag die zunehmende Flexibilität und die Kraft meines Körpers, die ich durch regelmäßiges Üben bekomme und ich mag die fließenden Bewegungen verbunden mit dem Atem durch ein Vinyasa (Übungsabfolge). Aber ich habe mich nie wirklich und ganz bewusst mit Definitionen, Philosophie und Geschichte des Yoga auseinandergesetzt.

„Yoga itself is the process of the reconcilation. It is both: the mean and the goal.“

Mich hat zu diesem Zeitpunkt die Definition „Yoga itself is the process of the reconcilation. It is both: the mean and the goal.“ am meisten angesprochen. Und hier ist meine Geschichte dazu:

„This defintion touches my heart the most and in different ways. Without further deep dive due to time reasons I felt most connected with this definition. It reminds me on my daily short yoga practice: whenever I do yoga in the morning, I feel more balanced and most important: more in peace with myself. It feels like that the „war“ within me calms down.

I am a person with thousands thoughts in the head or only dreaming being somewhere far away from the present. I am not focused. I often have to search for things or even lost items like my mobilphone, a cap or books. And I feel mad about this and myself, ending up in a sad and unconfident mood.

Yoga often helps me to focus and I feel better with myself and accept myself a little more as I am: including a push of my mood in a better one. I established that yoga is a way to touch my inner unrest, to calm me down in busy times and bring me back to the ground – or giving a kick in my ass when I am down and lazy. After a yoga lesson I often smile and feeling connected with myself, reconsiled. And still at this point I want more, as it touched only a part of me and my thoughts will rise again and will flood the balance.

This is why I started a morning practice and try to be on the mat every damn morning if only for a meditation and a few sun salutations.”

Dieser Text ist sehr persönlich, aber dennoch auch nur eine Momentaufnahme. Denn regelmäßiges Yoga wirkt. Ich würde den Text, bereits jetzt, einige Wochen später, sicherlich anders schreiben. Zugleich ist diese ausgesprochene Momentaufnahme aber auch eine Basis, auf der sich mein weiteres Lernen und alle folgenden Erfahrungen aufbauen werden.

Grundlegende Aufbau und Ausrichtung

Eines der große Themen des ersten Ausbildungswochenendes war „grounding“. Damit ist die grundlegende Positionierung der Füße und Hände für Asanas gemeint. Wir haben am eigenen Körper usprobiert, welche Wirkung ein gut ausgerichtetes Fundament auf unsere Praxis hat. Insbesondere die Positionierung der Finger und Hände haben mir unheimlich viel gebracht um meine Handgelenke zu entlasten und die Schultern nicht zu verkrampfen.

Mindestens eine ebenso wichtige Erfahrung war die Ausrichtung des Körpers durch bewusste Körperspannung. Wir haben die Abfolge eines einfachen Flows (Aneinanderreihung von Asanas) ganz akribisch aufgebaut, wiederholt, variiert und immer wieder reflektiert: Körperwahrnehmung ist ein wichtiger Punkt in der Ausbildung. Wir haben unterschiedliche Versionen einer Asana geübt und konnten Kevin mit Fragen Löschern. Wann immer wir persönliche Baustellen identifizierten, wie Schmerzen, Blockaden in der Bewegung oder Unsicherheit der richtigen Positionierung der Hände, hat Kevin verschiedene Lösungsansätze aufgezeigt, die wir dann gemeinsam ausprobiert haben. 16 Menschen haben einfach 16 verschiedene Körper auf der Matte, es gab viel zu besprechen und viel zu lernen. Ich habe an diesem Wochenende insbesondere gelernt wie ich meinen unteren Rücken unterstützen kann und ich mehr Kraft aus meinen Armen rausholen kann. Meine Körperhaltung und Ausrichtung haben sich merklich verändert.

Unterrichten

Wir haben am ersten Wochenende gelernt wie man den Sonnengruß A durch die verschiedenen Asana anleitet. Wie wichtig es ist, dass man effizient und klar kommuniziert, und wie und DASS es tatsächlich funktioniert. Dieser Teil der Ausbildung hat mir besonders viel Spaß gemacht.

Das sind meine Top 3 des ersten Ausbildungswochenendes. Aber es gab auch Punkte, die mir persönlich nicht leicht gefallen sind. Dazu gehört vor allem Anatomie. Das Thema an sich finde ich super und wichtig, aber ich tue mich sehr schwer mit den ganzen Begriffen und Zusammenhängen. Da muss ich einiges im Eigenstudium tun. Genauso muss ich mich auch in Ruhe in die Geschichte des Yoga einfuchsen, da ich mich damit bisher so gut wie gar nicht beschäftigt habe und ich im Allgemeinen mit Geschichten um Glauben, Götter und Ritualen wenig anfangen kann. Ich gebe aber zu, dass hier mein Anspruch an mich eher darin besteht, dass ich mich während der Ausbildung darauf einlasse. Experte werde ich mit Sicherheit nicht.

„Focus on the action, not on the result.“

Für mich ist die Ausbildung so toll, weil ich die Denkweise mag: „Focus on the action, not on the result.“ Das ist ein bisschen wie beim Fußball: klar will die Mannschaft den Sieg, aber es geht eigentlich darum im Spiel viele Tore zu schießen und Gegentore zu vermeiden. Daraus entsteht dann vielleicht der Sieg, aber erst einmal ist der Einsatz auf dem Spielfeld das wichtige.

Klar möchte ich Yoga unterrichten, natürlich würde ich gerne die ein oder andere coole Asana können. Aber ich mache die Ausbildung um zu Lernen, um mir diese Zeit zu geben es zu verstehen und zu üben und üben und zu üben… wenn sich herausstellt, dass ich damit andere begeistern kann, um so toller.

„Accept failure, but do not accept not to try.“

Aber auch der Ansatz „Accept failure, but do not accept not to try.“ hat es mir angetan: diese Ausbildung ist für mich eine Art Spielwiese, ich kann in viele Themen eintauchen und sie ausprobieren, die Ausbildung gibt den Rahmen dazu Fragen zu stellen und es nochmals anders auszu probieren. Wir erhalten das Handwerkszeug und wir können damit unser Yoga gestalten. Aber jeder aus der Situation heraus, in derer sich gerade befindet und in die er sich weiterentwickelt.

Hausaufgaben für die Session zwei: die Posesheets für vier weitere Asana, das Anleiten des Sonnengruß A üben, Ausarbeitung des Scriptes zur Anleitung des Sonnengruss B, Lesen diverser Kapitel aus den Texten von Kevin und noch einige mehr Teilaufgaben, die dann aber eher freiwilliger Natur waren. Insgesamt ist alles kein Muss, Kevin gibt immer an, welche Aufgabe welche Priorität hat. Was man davon tatsächlich macht bleibt einem selbst überlassen. Fakt ist aber, dass der Unterricht darauf aufbaut und nicht viel Zeit bleibt zum Wiederholen, da die nächste Session natürlich für neue Inhalte und Vertiefungen vorgesehen ist. Ich mag dieses Konzept sehr, auch wenn es bedeutet, dass es viel Freizeit in Beschlag nimmt. Aber, wie vor einigen Jahren beim Triathlon, kann ich sagen: ich tue es, weil ich es liebe.

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