Yoga Teacher Training // Session 4

// Tag 1

Auf ins Sauerland, hieß es am Mittwochmorgen für mich und die anderen Yogis meines 200h Teacher Trainings im Shivas Loft. Wir hatten uns einige Wochen nicht gesehen und ich freute mich sehr auf das Wiedersehen und diese kleine Reise mit viel, viel Yoga und weiteren Input.

Die Wochen zwischen den Sessions sind gefühlt geflogen. Ich bin viel unterwegs gewesen, oft auch mit der Yogamatte im Gepäck. Eine eigene Yogaeinheit hatte ich aber nicht unterrichtet und ehrlich gesagt, sagte mir mein Gefühl, dass ich die Zeit fokussierter hätte nutzen müssen.
Aber für „hätte“ kann man sich auch nichts kaufen und so entschloss ich mich, dass „NOW“ mein Mantra der Session wird. Nicht nachdenken, was hätte anders laufen können. Mir keine Sorgen machen über die Dinge in den Intensivtagen, die mich vielleicht in einen Bereich außerhalb meiner Komfortzone bringen. Nicht an die Zeit nach dieser Session denken. Sondern einfach machen, aktiv und positiv. Den Moment annehmen und nutzen, auskosten und genießen. Sich einlassen, präsent sein und bleiben.
Die Intensivwoche findet im Naturhotel Wilde Wiese in Sundern statt, im landschaftlich sehr schönen Sauerland, so ziemlich im Nichts.

Die Wiedersehensfreude war groß und ich freute mich vor allem, dass wir direkt mit einer Praxiseinheit starteten. Kevin hatte uns die Yogaeinheit bereits vorab als Sheet zur Verfügung gestellt: sie soll uns als Gerüst eine Hilfestellung geben, eigene Sessions aufzubauen. Diese Basissequenz sollte auf jeden Fall intensiv Thema werden in den folgenden Tagen.
Nach dem Mittagessen starteten wir mit dem Ausblick auf die Inhalte der Tage hier in Sundern.
Anatomischer Schwerpunkt wird die Wirbelsäule und der Rücken als Ganzes. Natürlich wird auch unsere Praxis darauf ausgelegt sein, dass wir auf diese Schwerpunkte ganz besonders den Fokus setzen.
Neben dem Aufbau von eigenen Sequenzen werden wir auch wieder Abschnitte von Sequenzen selbst anleiten. Hierfür werden wir uns intensiv mit einzelnen Asana und deren Variationen und Modifizierungen sowie dem, ich nenne es jetzt mal, spielerischen Umgang mit ähnlichen Asana und deren therapeutischen Formen auseinander setzen.

Mein Eindruck ist, dass wir schon sehr weit gekommen sind in der Ausbildung und dass uns dieses lange Wochenende hier noch einmal einen großen Schritt voran bringen wird.

Den ersten Part zur Anatomie der Wirbelsäule an diesem Tag fand ich schon sehr spannend. Durch viele praktische Übungen und Selbstversuche entdeckten wir unsere Wirbelsäule. Das Wissen über deren Entwicklung (erst etwa im 10. Lebensjahr nimmt sie ihre typische S- Form an, vorher entwickelt sie sich in diversen Etappen). Und wie so oft: jeder Mensch ist anders und so auch seine Wirbelsäule.
Und jeder der sagt, er kann kein Yoga machen: er hat Rückenprobleme, ist zu steif, ist… sanftes Yoga kann kein Gift für die Wirbelsäule sein. Vielmehr ist Bewegung sooo wichtig, damit unsere Wirbelsäule stabil und beweglich bleibt. Das liegt auch an der Wirkung von Bewegung. Vereinfacht gesagt: die Bewegung der Wirbelsäule sorgt für die Durchblutung dieser und eine Art „Befeuchtung“ der Wirbel und Scheiben zwischen diesen.
Thema war auch, dass auch Menschen, die z.B. durch Metallblatten / -stäbe zur Stabilisierung der Wirbelsäule in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, Yoga versuchen sollten. Ein Yoga, dass auf den Rücken ausgerichtet ist; unter Anleitung eines Yogalehrers und bitte nicht auf eigene Faust.

Das viele neue Wissen war dann natürlich auch Bestandteil unser zweiten Yogapraxis des Tages.

Witzig fand ich unser Asanaquiz: Kevin machte eine Asana vor und wir sollten den Namen dieser in Sanskrit, deutsch und englisch aufschreiben. Sanskrit ist nicht meine Stärke, aber ich bleibe dran. 😊

Der erste Einblick in die Mahabharata, einem Text, der in Versform über eine Zeitspanne von geschätzt 600 bis 800 Jahren entstanden ist, war eine neues spannendes Kapitel unserer Yogaphilosopohie. Morgen steigen wir tiefer in diese vielen kleinen Geschichten ein. Ich mag Geschichten und ich hoffe, ich kann mir einige davon merken und in meinen zukünftigen Unterricht einfließen lassen.
Eine Top-Liste, der Themen, die mich besonders angesprochen haben, werde ich erst nach dem Wochenende erstellen. Aber ich weiß schon jetzt, dass der anatomische Part dieses Session für mich persönlich besonders wichtig ist.
Durch Yoga habe ich meine Rückenthemen mindern können. Seit ich die Ausbildung mache und wir sehr genau auf die Ausrichtung der Asana achten und unser Körpergefühl so intensiv geschult wird, bin ich fast beschwerdefrei. Nur selten merke ich meine Schwachstelle im unteren Rücken noch und weiß nun was ich zu tun habe um meinen Rücken zu stärken. Diese Session wird noch mehr Licht ins Dunkle bringen.

// Tag 2

Tag zwei im Sauerland startete mit einer Praxiseinheit: nachdem wir die Reihenfolge der Asana der „General Sequenz“ noch einmal durchgesprochen hatten, übten wir sie unter Anleitung von Kevin. Diese Sequenz soll uns dabei unterstützen eigene Yogastunden aufzubauen. Sie folgt einen Grundkonzept: Ankommen auf der Matte/ im Moment, einen vorbereitenden Warm-up, den Sonnengrüssen A+B mehrfach wiederholt, stehenden Asana , sitzenden Asana, Rückbeugen , Drehhaltungen, symmetrischen Posen und den Abschluss.
Während es Tages besprachen wir das Unterrichten dieser Sequenz noch im Detail und morgen werden wir einen Teil der Sequenz auch im Unterricht selbst unterrichten. Sie stellt die Basis einer gut konzipierten Yogastunde dar, die wir dann entsprechend dem durch uns gesetzten Fokus anpassen, ausweiten und gestalten können.

Heute übten wir bereits das Vorbereiten einer Yogastunde einschließlich dem Part die Yogis in eine Stunde zu führen/ das Ankommen im Moment. Ich möchte unbedingt wieder mit „Yoga im Park“ starten, mir machen diese praktischen Parts mega viel Spaß. Komischerweise war ich dabei heute im Unterricht nervöser als ich es von meinen beiden Sessions im Park in Erinnerung habe. Vielleicht weil ich es durch die vielen Tipps zu 100 Prozent richtig umsetzen möchte. Aber die Übung zeigte: das ist keine Baustelle mehr für mich, das kann ich schon sehr gut umsetzen.

Und dann war da noch das Story Telling. Kevin erzählte uns Geschichten aus der Mahabharata. Er ist ein fantastischer Geschichtenerzähler und wir bekamen viele Tipps was man beim Story Telling beachten sollte. Am Sonntag werden wir alle selbst eine Story erzählen dürfen. Ich habe noch keine Ahnung was ich erzählen soll, aber ich habe zumindest eine Idee, wie ich auf eine Story kommen werde.

Heute Abend war dafür keine Zeit mehr: nach dem gemeinsamen Abendbrot trafen wir uns 20 Uhr zum gemeinsame Video gucken. Wir schauten uns den TED Talk „Fake it until you make it“ an. Wir hatten im Unterricht ein Gespräch darüber geführt, dass wir in unseren Übungen bereits in die Rolle eines „echten“ Yogalehrers schlüpfen, diese Rolle „spielen“. Nicht jeder fühlte sich wohl dabei. Aber wir werden auch nicht durch einen Abschluss bzw. ein Zertifikat Yogalehrer: dafür braucht es Praxiserfahrung, ausprobieren, es machen… und dann werden wir uns mit Selbstbewusstsein in dieser Rolle wiederfinden. Sich selbst in die Situation bringen Lehrer zu sein, sich dieses „Angstmomenten“ stellen und mutig an sich selbst glauben: dann wird der Zeitpunkt kommen, wo wir unsere Unsicherheit verlieren. Und Kevin gibt uns jeden Support den wir uns wünschen können mit auf diesem Weg. Wir lernen an jedem Ausbildungstag so viel. Ich freue mich schon wieder auf morgen.

// Tag 3

Tag 3 ist nun auch schon wieder vorbei und am Ende war mein Kopf auch echt ko.
Wir starteten wieder mit einer Praxiseinheit: einer Advanced General Sequence, wobei der Handstand und das Rad die herausfordernden Posen darstellten.
Ich schaffte meinen ersten Handstand an der Wand. Monika und ich bildeten ein Team und wir halfen uns beide durch Unterstützung beim Anheben der Beine in die Position. Ich ich hab sie auch halten können… es wird. Ich muss nur dranbleiben und konsequent üben, mich meiner Angst stellen, dann kann ich den Handstand und den Kopfstand bis zum Ende der Ausbildung. Das ist auf jeden Fall mein Ziel.

Das Rad hatte ich in der Vorbereitung auf die Intensivwoche geübt und hatte da das erste mal ein grandioses Erfolgserlebnis: ich konnte das Rad ohne Hilfsmittel und ohne fieses inneres Gefühl. Auf meinem Instagram Account yyvi_blog hatte ich darüber bereits etwas ausführlicher berichtet, inklusive kleinem Video.

Ich liebe die General Sequence, auch wenn wir sie jetzt schon mehrfach gemacht haben. Sie festigt mein Wissen und es gibt immer wieder eine andere Kleinigkeit auf die ich mich konzentrieren kann. Die Sequence wird auf jeden Fall Basis meiner kommenden Session „Yoga im Park“ werden: natürlich mit Variationen. Aber so kann ich sichergehen, dass ich eine ausgewogene Sequence erstelle.

Nach der Praxis hatte ich sowas wie ein „High“, ich war mega happy und musste mich erst einmal kurz zurückhalten mit dem Frühstück um dieses Gefühl einen Moment zu genießen und wahrzunehmen.
Nach dem leckeren Frühstück gab Kevin wieder kleine Stories der Marabaratha zum besten. Wir alle lieben diese Geschichten inzwischen, Kevin kann so toll Geschichten erzählen.

Anschließend wiederholten wir die Teaching Schwerpunkte der sitzenden Positionen der General Sequence. Kevin und Verena demonstrierten noch einmal worauf es ankommt. Denn dann waren wir dran: zu zweit suchten wir uns einen Platz im Hotel und unterrichteten uns gegenseitig. Justyna und ich fanden eine Ecke auf der Dachterasse. Ich starte und ich fühlte mich sehr, sehr wohl. Manchmal fehlten mir gedanklich die richtigen Worte, die Schwerpunkte kurz und eindeutig zu formulieren: das muss ich nochmals für diese Positionen üben. Aber das kommt mit der Zeit, mit der Wiederholung, mit der Erfahrung welche Worte funktionieren und welche nicht.
Das Gute ist, wir können die Worte von Kevin nicht kopieren: zumindest nicht, wenn wir deutsch unterrichten. Man muss eigene deutsches Beschreibungen finden, was den Lerneffekt auf jeden Fall unterstützt und uns auch ein Stück weit zu einem individuellen Stil führen wird.
Justyna machte ihren Job auch schon echt gut. Und ihre Formulierungen erinnerten mich an andere wichtige Kleinigkeiten, an die ich bei der Ausrichtung der Asana nicht mehr gedacht habe. Auch dafür ist das gegenseitige Unterrichten mit anderen angehenden Yogis gut: wir lernen alle, wir wollen immer an alles denken und so landet am Ende viel Wissen zu Wiederholung auf einer Yogamatte. Letztlich werden wir dies in dieser Tiefe selten im „echten“ Untericht anbringen, aber es ist wichtig , dass wir diese kennen und bei Bedarf anleiten können: je nachdem was erforderlich wird in der jeweiligen Stunde.

Anschließen tauschten wir unserer Erfahrungen und Feedback aus. Kevin und Verena gaben uns weitere Tipps und beantworteten unsere Fragen.

Nach der Mittagspause sangen wir ein neues Mandra und dann gab es neue Geschichten aus der Marabharata. Leute, da geht es echt ab. Im Netz habe ich diese frei zugängliche Version gefunden… das braucht aber echt was Zeit die zu lesen. Viel Spaß dabei.

Den Nachmittag verbrachten wir dann mit auführlicher Anatomie zur Wirbelsäule. Auch hier gab es wieder viele praktische Fragen, die wir direkt durch kleine Praxiseinheiten oder Demos an einem Yogi beantwortet bekommen haben. Inzwischen können wir oft in der Gruppe unser Wissen zusammenfügen und die Beantwortung der Fragestellung gemeinsam erarbeiten: die Basis ist auf jeden Fall in weiten Teile schon da. Juhuu!

Am Nachmittag arbeiteten intensiv an den Backbends/ Rückbeugen der General Sequenz, indem Kevin und Verena uns diese demonstrierten und die Details aufzeigten. Auch hier kamen wieder viele, viele Fragen und es ging nicht weiter, bis alle Unklarheiten beseitigt waren. Ziel ist es immer, die Asana im Detail zu verstehen und die richtigen Schwerpunkte in der Anleitung zu setzen.
Hausaufgabe war es dann, genau diese Anleitung für den nächsten Tag vorzubereiten.

Den Abend lies ich dann gemütlich ausklingen: mit leckerem Essen, einem Spaziergang und etwas Recherche. Unglaublich, dass der dritte Tag nun auch schon wieder vorbei ist.

// Tag 4

Tag 4 der Ausbildung beendete ich mit einem Glas Rotwein auf der Terrasse unseres Hotels Wilde Wiese. Es war definitiv der für mich persönlich anstrengendste Tag bisher. Aber vorweg genommen: er war super und vor allem sein Ausklang mit einer Extraportion Story Telling von Kevin nach dem Abendessen, setzen ihm ein besonderes Sahnehäubchen auf.

Der Tag starte nach Plan 8 Uhr mit einer durch Kevin abgeleiteten Yogapraxis. Der Schwerpunkt lag dieses Mal mehr auf dem Rücken: Kevin ist nicht nur bekannt für seine Tiger Playground Kurse in denen vor Fortgeschrittene ihre „Yoga Spielwiese“ finden. Noch beliebter sind seine Rückenkurse im Shivasloft. Heute sollte der Schwerpunkt auf dem Rücken liegen und Kevin’s Sequenz für den Rücken.m, die er über Jahre erstellt und optimiert hat. Daher übten wir Elemente aus der Advanced Sequenz und aus der Rücken Sequenz.

Während der Praxis hatte ich einen kleinen Unfall beim Üben des Handstandes, da meine alten Ängste doch stärker waren als mein Erfolgserlebnis am Vortag. So ist es manchmal: drei Schritte vor, fünf Schritte zurück. Passiert ist bei meinem Absturz nichts, aber emotional musste ich das erst einmal verdauen. Ich hab mich einfach mega erschrocken als meine Arme nachgaben und der Weg nach unten etwas unsanft war.

Kurze Pause für mich von der Praxis, kurz den Schreck außerhalb vom Kursraum ausgeheult und dann ging es weiter. Alle, insbesondere Kevin, waren mega lieb und aufmerksam mir gegenüber… aber erst im Nachhinein kann ich mir eingestehen, dass mich das doch ganz schön beschäftigt hat. Es ist nichts passiert, außer dass es schlechter lief als ein anderes mal. Da treiben die inneren Unruhegeister ihr Spiel mit dem Ego: das muss man doch können wenn man Yogalehrerin werden möchte. Das Gewissen erinnert einen, dass man vielleicht konsequenter an der Schwäche hätte arbeiten müssen und das Herz ist einfach nur traurig, weil der Kopf die Ansagen machen darf: der natürlich wieder alles pauschalisiert und die Erfolge der letzten Monate nur schwerlich anerkennt. Aber letztlich wusste ich auch, dass das nicht das Ende ist und es beim nächsten mal anders laufen kann und ich diese verdammten Umkehrhaltungen irgendwann können werden kann.

Nach der Praxis, in der ich am Ende auch schon wieder lachen konnte, und dem Frühstück, fassten wir den Vortag zusammen. Daraus entwickelte sich ein Dialog zwischen uns und unserer Lehrern, Kevin und Verena, aus vielen Fragen und Antworten zur Yogapraxis im Studio. Die Erfahrungen der beiden sind Gold wert. Und an dieser Stelle hat Kevin auch eine Aussage getroffen, die ich auch schon im Kopf hatte: jeder wird sein Wissen aus diesem Teacher Training mitnehmen. Und das wird bei jedem anders sein, auch wenn die Ausbildung ein und die selbe war. Im Kurs haben wir das in Kreisen visualisiert, die unterschiedlich groß sind und sich in Teilen überschneiden.

Da kam die nächste emotionale Hürde für mich zu Vorschein: ich habe super viel Spaß am Yoga; an dem Wissen, dass wir hier erlernen; die bisher gesammelten Erfahrungen beim Unterrichten im Kurs und vor allem im Park haben mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert. Aber wenn es ins anatomische Detail geht, fehlen mir oft die Worte. Die Sanskritnamen fallen mir schwer. Ich habe viele Ideen für Stunden, aber es fällt mir schwer einen Fokus zu finden und die gewünschte Leichtigkeit / den Flow in die Session zu „zaubern“ … es gibt so vieles was man beachten soll. Und ja, ich habe wenig Zeit in die Wiederholung der bisherigen Inhalte investiert, die nicht direkt etwas mit meiner eigenen Yogapraxis zu tun hatten. Und das ein oder andere Mal die Gelegenheiten genutzt wie sie kamen, inklusive Reisen und Party anstatt mal „nein“ zu sagen und mich zu fokussieren. Beste Grundlage für Selbstzweifel und die Frage: wie groß ist mein Kreis!?

Vor der Mittagspause durften wir uns noch einmal selbst als Yogalehrer ausprobieren: dieses Mal am Teil der „Backbends“, „Twists“ , der „symmetrical poses“ zum Ausgleich und dem „Closing“ einer Sequenz. Diese Übung praktizierten wir wieder zu zweit und es lief „ganz gut“: es lief, aber zufrieden war ich nicht und könnte ich auch nicht sein. Meine eigenen Worte für die Anleitung dieser Asana hatte ich noch nicht geübt. Die Details waren nicht überzeugend vom Auftreten her, so zumindest das Feedback. Aber es lief. So unvorbereitet würde ich niemals eine Asana oder Sequenz unterrichten.

Als Anfänger kann man schon mal gut das dreifache der Zeit einer Yogastunde rechnen, die für eine gute Vorbereitung investiert werden sollten. Das wird mit der Zeit und Erfahrung weniger, aber man muss schon viel Erfahrung haben um auch aus dem „Nichts“ eine gute Stunde zu unterrichten. Denn die hängt ja auch immer von den Yogis ab, auf die der Lehrer trifft.

Im Rahmen des Feedbacks sprachen wir dann auch über Situationen, die unseren Yogis den Eindruck vermitteln, dass wir als Lehrer einen unsicheres Auftreten vermitteln. Dank Kevin’s Überzeichnungen, haben wir herzhaft gelacht. Und werden es sicher nicht vergessen, worauf wir achten sollten.

Nach der Mittagspause bekamen wir unsere geliebte Portion Story Telling. Es ist wunderbar diese Geschichten zu hören, mit den Charakteren mitzufiebern und vielleicht auch ein Stück weit zu reflektieren wieviel von dieser Geschichte in unserer Welt und auch im eigenen Leben eine Rolle spielt.

Danach ging es dann wieder an die Praxis: Chaturanga Dandasana. Eine der Asana, die so elementar für die Yogapraxis ist. Und so komplex. Wir wiederholten deren korrekte Ausführung mit Hilfmitteln wie Blöcken und einem Gurt. Mir tat diese Wiedeholung sehr gut: definitiv eine Baustelle meinerseits, da meine Ellenbogen doch gern mal das Weite suchen, um einen leichteren Weg zu finden.

An diesem Tag haben wir unheimlich viel gelernt: die Ausbildung bei Kevin und Verena bereitet auf jeden Fall vielseitig auf das Unterichten vor und ermöglicht uns ein mehr als umfassendes Wissen zum Thema Yoga. Und Kevin wird nicht müde unsere Fragen zu beantworten. Es läuft sicher nicht immer nach seinem Plan, aber es entsteht so oft ein dynamischer Dialog, durch den er uns genau da abholt, wo wir gerade nicht weiterkommen. Und das macht für mich eine gute Ausbildung aus: das was wir in der Theorie lernen, setzen wir in praktischen Übungen um. Und das was wir hinterfragen, wird intensiver besprochen und in die Praxis eingebaut.

So auch die Rückenpraxis: wir übten Kevin’s Rückensequenz und er erklärte uns während der Praxis genau warum er es genau so an dieser Stelle macht. Wir haben alle am eigenen Körper geübt: und nur so kann man es auch wirklich verstehen, meiner Meinung nach. Und dann war es auch schon wieder 18 Uhr, die Kirchenglocken läuteten bereits während der Praxis.

Im Savasana entschied ich, dass ich nochmals Laufen gehen muss. Ich brauchte irgendwie das Gefühl mich richtig auszupowern, einen hohen Puls, mich körperlich anders fordern und Abstand vom Tag. Ich liebe Gesellschaft, aber auch brauche auch ab und an einfach nur Zeit für mich. Also Laufschuhe an und ab in den Wald: das können die hier in Sundern/ Sauerland auch fantastisch gut. Unterwegs habe ich sogar Rehe gesehen: dafür aber auch mal 50 Minuten lang keine Menschen. Das tat gut. Und danach war ich auch wieder aufnahmebereit für die nächste Story, die Kevin extra für uns nach dem Abendessen für uns eingerichtet hat.

// Tag 5

Tag 5 startete erneut mit einer Yogapraxis. Kevin forderte uns sehr: gleichzeitig wiederholten wir durch diese Praxis viele einzelne Schwerpunkte, die in den letzten vier Tagen Thema waren. Das Frühstück schmeckte danach besonders gut.

Nach der Pause sprachen wir lange und intensiv über die Bhagavad Gita. Ich hatte sie vor der Ausbildung schon einmal gelesen und mich sehr schwer mit dem Text getan: es war die perfekte Lektüre zum Einschlafen für mich.
Im Zusammenhang mit der offenen Diskussion in der Gruppe und die Erklärungen von Kevin, änderte sich das schlagartig. Inzwischen lasse ich mich zumindest auf die Texte ein und kann mich mit den Inhalten ein stückweit identifizieren. Wir haben für die nächste Session eine Hausaufgabe erhalten, die sich mit der Gita befasst. Diese werde ich zum Thema eines Blogbeitrages machen, da ich diesem Werk an dieser Stelle nicht gerecht werden kann. Für die, die es interessiert: ich selbst lese die Version von Jack Hawley.

Danach ging es noch einmal in die Yogapraxis. Zunächst durften wir selbst noch einmal im Zweierteam einen Teil der General Sequenz unterrichten. Anschließend, und das wussten wir vorher alle nicht, wurde dieser Teil von einen der Yogis angeleitet. Justyna, die spontan von Kevin gefragt worden ist, machte ihren Job super. Und dies machte uns allen deutlich, wie weit wir alle schon gekommen sind.
Und ja, nur noch zwei Wochenenden und dann haben wir die 200h Ausbildung auch schon erfüllt. Aber es gibt noch vieles zu lernen und zu tun. Auch deswegen lies Kevin uns Zeit viele, viele Fragen zu stellen.

Am Nachmittag waren wir dann dran mit Story Telling. Das war super. Jeweils in 3er Gruppen hatte jeder von uns Zeit eine Geschichte zu erzählen. Ich hatte eine Geschichte zu Genesha vorbereitet. Das machte so viel Spaß und wird auf jeden Fall Teil meiner nächsten Yogasession im Park sein.

Nachdem wir am Nachmittag noch einmal den Fokus auf die Gita gelegt haben, ging es auf das Ende der Intensivwoche zu. Was hatten wir gelernt? Was nehmen wir persönlich mit? Was waren für uns persönlich die wichtigsten Inhalte? Was sind unsere Ziele für die nächste Session in wenigen Wochen und im August? Wie werden wir diese umsetzen? Was muss ich tun, damit ich sie nicht aus den Augen verliere? Wir bekamen Zeit uns diese Fragen zu stellen und zu beantworten, Ziele zu formulieren und Pläne zu schmieden. Und wir bekamen die Chance in der Gruppe über diese zu sprechen.

Für mich waren so viele Punkte wichtig. Aber um es zu begrenzen, waren meine Highlights die Arbeit an der Praxis einschließlich der General Sequence, das Wissen um die Anatomie der Wirbelsäule und das Story Telling.
Meine Ziele stehen mit diesen auch in engen Zusammenhang: Anatomie wiederholen, es fällt mir einfach nicht leicht diese komplexen Zusammenhänge in eigene Worte verständlich und konkret zusammenzufassen. Und die Abgrenzung, wie viel von meinem Wissen muss und kann ich weitergeben. Wir lernen so viele Details die letztlich aber Grundlagenwissen sind, dass will kein Yogi im Unterricht hören. Aber es muss, meiner Meinung nach, bei Bedarf da sein, um individuell auf eine Fragestellung eingehen zu können.
Weiters Ziel ist meine eigene intensive Yogapraxis und die nächsten Sessions im Park. Diese soll sich in den kommenden Wochen stark an die General Sequenz orientieren und ich möchte wieder mindestens jeden zweiten Tag auf die Yogamatte. Ich weiß, dass regelmäßiges und intensives Yoga, d.h. mindestens 75 Minuten, mir gut tun und ich körperlich dadurch auch die Grundlagen für einen guten Unterricht ausbauen kann. Ich möchte die grundlegenden Asana beherrschen in ihrer korrekten Ausführung und ihren Variationen.

Den Abschluss des Intensivwochenendes bildete das gemeinsame Chanten des Matras Lokah Samastah Sukhino Bhavantu, das oft übersetzt wird mit den Worten: Mögen alle Wesen auf dieser Welt verbunden sein, in Harmonie sein und Glück erfahren.

Ich war glücklich in diesem Moment. Wir haben eine tolle Gruppe und ich war zufrieden mit mir und zuversichtlich was meine Ausbildung anbetrifft. Auf der Heimfahrt tauschten wir uns noch über die Intensivwoche aus. Aber daheim wartete dann mein Koffer und die Packliste für die am nächsten Tag startende Reise nach Dubai, Hong Kong und Taiwan, so dass nicht mehr viel Zeit blieb um an die Ausbildung zu denken, aber dafür diese Woche einfach mal sacken zu lassen.

Kleiner Hinweis: Der Bericht zu Session 3 ist noch nicht veröffentlicht. 😉

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