Yoga Teacher Training // Session 5

// Tag 1 und 2

… Vorgeplänkel …

Es ist 22:42 Uhr und ich sitze auf meiner kleinen Oase/ Terrasse und hab so ein verdammt breites Grinsen im Gesicht. Es ist Sommer, es ist warm… lackierte Fußnägel, Flipflops, lauer Sommerabend und mehr als 24 Stunden non-stop Yoga, die mein Wochenende bestimmen… und ich hab zum zweiten Mal geschafft, mich nicht zu verplanen nach einer Ausbildungseinheit.

An alle die eine Ausbildung machen wollen, die auf das Wochenende ausgerichtet ist: haltet euch auch die Abende frei!!! Diese Zeit für sich, ist so viel wert.

Ich hatte es mir immer wieder vorgenommen, aber doch nie eingehalten. Bis auf dieses Wochenende: trotz Rheinkirmes. Und ich genieße es, die Inhalte sacken zu lassen. In Ruhe die Hausaufgaben zu machen. Und dann schlafen zu gehen: davon brauche ich momentan echt viel. Das ist nicht ohne, mein Körper freut sich über ein einen entspannteren Abend sehr.

Warum ich dieses „Vorgeplänkel“ schreibe: weil ich euch ein bisschen tiefer in das Gesamte mitnehmen möchte. Die Idee war, diesen Blog ins Leben zu rufen, um darüber zu schreiben, wie das so ist, eine solche Ausbildung zu machen.

Ich hatte den Aufbau des Blogs zeitlich unterschätzt. Auch die Zeit, die man für einzelne Artikel braucht. Und ich mag auch so viel anderes: reisen, meine Stadt Düsseldorf erleben, abschalten. Aber diese Ausbildung ist einmalig und auf dem finalen Weg, möchte ich etwas von diesem Wochenende mitnehmen: den Fokus auf die Ausbildung.

In acht Wochen in die letzte Session und dann bekomme ich (erst einmal eine große Hausaufgabe und dann…) mein Zertifikat. Das ist erst einmal nur ein Schriftstück, aber ich möchte es mit Leben füllen. Ich weiß, dass ich unterrichten will. Yoga wird definitiv ein wichtiger Bestandteil meines Lebens bleiben.

Deswegen werde ich in den kommenden acht Wochen darüber schreiben, wie mein Yoga aussieht, wie ich mich auf den Abschluss der Ausbildung vorbereite, was ich erlebe und wie das alles mit einem Vollzeitjob funktioniert – oder auch nicht. Unter der Rubrik Endspurt kommen jetzt wöchentlich tiefere Einblicke in die Ausbildung.

… Ende Vorgeplänkel …

Am Freitag startete unsere Session 18.30 Uhr im Shivasloft. Ich hab wirklich richtig auf unsere Gruppe gefreut und die Stimmung war so positiv.

Wir starteten mit „centering and chanting“. Inzwischen mag ich das sehr. Ich kann es zulassen und mich darauf einlassen. Einfach „nur“ bewusst atmen, ein Sanskulpa gestalten und dann das radiance mantra singen, das uns seit Beginn der Ausbildung begleitet…es ist inzwischen ein „nach Hause kommen-Gefühl“ für mich wenn wir es singen. Das gibt es nur hier, das kommt aus dem Herzen und es wird für immer eine Erinnerung an meine Ausbildung auslösen.

Der Inhalt der heutigen Session war „hands-on assist“: Yogis unterstützen in der Ausführung ihrer Asana. Dies tut man mit den Händen und / oder dem eigenen Körpergewicht. Ich bin so gar nicht der touchy-Typ. Aber ich weiß inzwischen, wie wichtig es ist, korrigiert zu werden, um die Ausrichtung individuell optimal hinzubekommen. Und manchmal reichen Worte einfach nicht, weil man die Orientierung für oben und unten, parallel zum Boden, offen und geschlossen schlichtweg in der Asana nicht mehr zu im Gefühl hat oder das Gefühl nicht nur Realität passt.
Da ist in den Kriegerposotionen gerne mal das Knie ein Individualist und geht seinen eigenen komfortableren Weg nach Innen: wollen wir nicht. Das streckt der Arm im Dreieck über das Ziel hinaus. Und wie war das nochmal in den Kriegerpositionen mit den Füßen… Japp, da greife ich gerne ein und jetzt weiß ich auch wie ich das mache, mit dem angenehmsten Gefühl für meine Yogis.
Aber wir haben auch gelernt, dass es nicht der erste Weg ist, zu korrigieren. Und nicht alles muss von uns potenziell überambitionierten „New-Guru-Yogis“ korrigiert werden: zumindest nicht in einer Session.

Heute erst hab ich an meine ersten Stunden in einem Yoga Studio denken müsssn: ich hab mich auch einfach rein getraut in eine Vinyasa Stunde, und ich wurde korrigiert, aber nicht zu viel… ich bin zumindest wiedergekommen. In eins, zwei, drei … Stunden geht auch nicht gleich alles kaputt. Ganz sicher nicht. Und es ist immer eine Gelegenheit gegeben neuen Yogis die Einsteiger Workshops nach der Sessions zumindest bekannt zu machen. Jeder neue Yogi, der es ernst meint, ist -meiner Meinung nach- gut darin beraten, einen solchen Workshop zu besuchen. Ich hab das auch gemacht. Und lerne noch immer. Grundlagen in Ruhe zu lernen, gerade wenn es um den eigenen Körper geht: Daumen hoch meinerseits.

Am Abend gab es keine Hausaufgaben. Für mich gab es nur noch einkaufen, etwas Essen und dann ins Bett … noch etwas lesen und nach fünf Seiten ging für mich auch schon das Licht aus.

Samstag ging es dann auch schon 9 Uhr weiter. Ich war noch sehr, sehr müde; trotz frühen Schlaf.

Es wartete eine knackige Vinyasa Klasse auf uns. Vinyasa bedeutet in diesem Zusammenhang „im Fluß“ oder oftmals auch „im Flow“. Die Bewegung wird an die Atmung gekoppelt. Die wiederum wird durch die Ujjayi Atemtechnik in einen besonderen Fokus gerückt. In der Stunde wird der Atem durch den Lehrer instruiert, wie auch die Bewegung.

Insgesamt wird in einer Vinyasa Stunde weniger korrigiert, man hält Asana auch meistens nur eine Atemzug. Dafür besteht der Unterricht aus Sequenzen die sich wiederholen können und / oder in ihrer Ausführung im Laufe der Stunde weiterentwickeln. Vinyasa Stunden sind kreative Stunden. Wir haben im Anschluss an die Sequenz sehr intensiv über Vinyasa Yoga gesprochen. Kevin hatte uns wieder ausführliches Material zu unserer Session in die Dropbox gespeichert und dieses gingen wir gemeinsam durch. Es ging um die Grundzüge des Vinyasa Yoga und seine Wurzeln. Wir sprachen über die verschiedenen Styles von Vinyasa Yoga und die wichtige Grundlagen, die man (nicht immer alle) bei der Gestaltung und Durchführung einer Vinyasa Stunde berücksichtigen sollte. Und natürlich waren wir auch selbst wieder gefragt und gefordert: am nächsten Tag dürfen wir selbst eine Vinyasa Sequenz unterrichten. Dafür besprachen wir wieder eine Art Grundgerüst einer solchen Klasse, die verschiedenen Möglichkeiten der Wiederholung innerhalb einer Sequenz und die Anleitung der Atmung für die Asana. In der Theorie waren wir bestens vorbereitet.

Ich glaube, dass ich später tendenziell Vinyasa Klassen unterrichten möchte. Ich liebe Musik und ich würde das super gern verbinden. Ich mag den Flow und das spielerische kreative dabei. Wir werden sehen…

Weiteres großes Thema war an diesem Tag „Pregnancy and Yoga“. Ich selbst hab noch kein Kind und daher auch keine Erfahrung mit Schwangerschaft. In meinem Freundeskreis sieht das anders aus und auch in meinem letzten „Yoga im Park“ Event war eine schwangere Freundin dabei. Das Thema interessiert mich auf jeden Fall sehr.

Was ich -in der Kurzfassung-mitgenommen habe:

1. Es kommt auf das Stadium der Schwangerschaft an.
2. Es ist relevant ob die Schwangere vorher schon Sport / Yoga gemacht hat und ob sie gesund ist.
3. Der Arzt sollte immer gefragt werden und der Yogalehrer ist NICHT der Arzt.
4. Das Gefühl der Schwangeren ist relevant.
5. Der Fokus sollte auf ein ausgleichendes Yogaerlebnis gelegt werden. Die Schwangerschaft ist nicht die Zeit für neue crazy und fancy Posen.
6. Es ist ist eine sehr individuelle Situation und es gibt keine pauschale Antwort.

Eines meiner Highlights vom Wochenende war dann die Situation als wir uns die Yogasitzkissen geschnappt haben und selbst „Hochschwanger“ gespielt haben.

Weitere Themen an diesem Tag war „Tandra“ und natürlich wieder eine Portion Anatomie. Dieses Mal war der unterer Körper, insbesondere die Hüfte Thema.

All dieses Wissen ist so enorm wichtig. Und es macht so viel Spaß das alles zusammen zu lernen.

Am Ende des Ausbildungstages hatte ich noch immer Energie über und blieb noch in Studio für eine Vinyasa Klasse. Und daheim setzte ich mich dann im Garten an die Hausaufgabe einen eigenen kleinen Flow zu kreieren.

// Tag 3

Der nächste Morgen startete wieder mit einer Vinyasa Yogasession. Während die Session am Vortag eher auf einfachen Asana und vielen Wiederholungen basierte, ging es heute ordentlich zur Sache. Aber es machte Spaß und natürlich war diese Sequenz auch dafür gedacht, das am Vortag gelernte in der Praxis zu wiederholen.

Nach der Sequenz sprachen wir ausführlich über diese. Was war anders, welche Strategie hat Kevin verfolgt und natürlich konnten wir wieder viele Fragen stellen.

Dies ging nahtlos über zu unseren eigenen Sequenzen. Wir konnten Fragen stellen und gingen gemeinsam die Sequenz von Monika durch. Und sie durfte dann auch Kevin anleiten, dass er ihre Sequenz ausführt. Und umgekehrt. Learning by doing.

Und dann waren wir alle dran: in 2er Gruppen übten wir unsere keinen Flows. Ich hatte meine zwar noch am Vorabend ausgearbeitet und in der Mittagspause auch versucht die richtigen und wichtigen Worte für die Anleitung im Kopf zu formulieren, aber so richtig zufrieden war ich noch nicht. Ich kann mir Abfolgen leider nicht gut merken und brauche dafür Wiederholung. Meine Stunden im Park wiederhole ich mindestens an zwei bis drei Tagen, damit sie sitzen. Aber es klappte dann doch ganz gut als es darauf ankam. Daniela lächelte mich selig an als wir mit meiner Sequenz fertig waren: ich war ein wenig schnell von der Anweisung der Atmung her, aber der Flow hat funktioniert.

Vinyasa Yoga ist viel kreativer und dynamischer als Hartha Yoga, da braucht es auch einiges an Kondition um gleichzeitig anzuleiten und selbst mitzumachen. Vor kurzem hab ich das Lauftraining wieder gestartet: ich setze sehr darauf, dass mir das neben üben, üben , üben auch helfen wird nicht außer Atem zu kommen und den Rhythmus beizubehalten.

Ich kann an dieser Stelle schon sagen, dass dieser Part der mit dem größten Lerneffekt und Leidenschaft an diesem Wochenende war. Vinyasa Yoga ist genau mein Ding.

Meine Nummer zwei ist dann aber auch direkt, dass was an Nachmittag folgte: Pranayama. Die Atmung spielt eine zentrale Rolle im Yoga, besonders auch im Vinyasa Yoga. Aber Panayama Übungen werden auch losgelöst von körperlicher Praxis in unterschiedlichen Variationen angewendet. Wir sprachen über die Atemtechniken: Ujjayi, Viloma, Bhastrika, Kapalabathi und Nadi Sodhana. Natürlich übten wir sie auch. In meinen Sessions im Park sind bisher auch immer Atemsequenzen dabei gewesen: ich halte sie für gut und gebe mein Wissen auch super gerne weiter.

Zum Ende des Wochenendes sprachen wir noch einmal über Tandra und vertieften unser Wissen zur Anatomie des Beckens , der Hüfte sowie unserem unteren Körper.

Damit war das vorletzte Wochenende auch schon wieder fast vorbei. In wenigen Wochen wird es leider final vorbei sein. Aber soweit denke ich jetzt noch nicht. Es ist allerdings sehr beruhigend von unserem Lehrer zu hören, wie stolz er auf uns ist und das wir jetzt schon das Handwerkszeug vollständig haben um Unterricht geben zu können.

Ein paar kleine, nicht unwichtige Themen fehlen noch: so werden wir am letzten Wochenende über das Yoga Business sprechen: ein Thema, das mich sehr interessiert. Und wir werden über die Anatomie der Füße sprechen. Uns werden einige intensive Praxiseinheiten erwarten und ein Abschlussessen. Und die große Hausaufgabe wartet dann noch auf uns. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es danach mit der Grundausbildung schon vorbei ist. Aber ich freue mich schon auf das Abendteuer Yogalehrer. Aber auch auf die verbleibenden Wochen mit dem Fokus auf die Ausbildung. Also bleibt dran.

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